Substitution des Menschen beim Fahren – Fortschritt oder Rückschritt?

Klaus Rosino, 21.02.17 13:47
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tai111 - Fotolia.com

Während in der breiten Öffentlichkeit langsam die Aufmerksamkeit gegenüber dem „Roboterauto“ zu steigen beginnt, ist die Diskussion darüber in der Expertenwelt schon weit fortgeschritten. Besonders die Frage nach der Sinnhaftigkeit der zunehmenden Automatisierung der Fahrzeugsteuerung spaltet die Expertenwelt. Die Fahrzeugsteuerung und die Verantwortung für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr obliegen seit über einem Jahrhundert dem Menschen. Sein Verhalten, seine Qualifikation und seine Erfahrung verantworten bisher, ob wir alle sicher nach Hause kommen. Die steigende Automatisierung von Fahrzeugen nimmt dem Menschen bereits einen Teil der Steuerung ab und es stellen sich dadurch vielfältige Fragen zur Verantwortung bei Unfällen. Die Steuerung und Verantwortung wandern vom System „Mensch“ über das System „Mensch & Maschine“ hin zum System „Computer“. Das Auto hat sich als reines Fortbewegungsmittel längst selbst überholt.

Die Technik auf der Überholspur

Viele Experten sind der Überzeugung, dass das Autofahren durch das Herausnehmen des Menschen aus der Fahrzugsteuerung und –verantwortung sicherer wird; Besonders, da das Verhalten der LenkerInnen für über 90% der Verkehrsunfälle verantwortlich gemacht wird, wie Befürworter der zunehmenden Automatisierung argumentieren. Die Euphorie über die Möglichkeiten des autonomen Fahrens richtet das Scheinwerferlicht der gegenwärtigen Diskussion und Forschung vielleicht zu sehr auf die Chancen und Risiken der Technik. Das System „Computer“ steht im Fokus. Sehr leicht wird dabei übersehen, dass der Mensch in der langen Phase des Mischverkehrs als steuerndes System oder als Teil eines neuen steuernden Systems „Mensch & Maschine“ von zentraler Bedeutung für alle Überlegungen der Verkehrssicherheit ist. Skeptiker befürchten daher, dass gerade das Ersetzen der menschlichen Intelligenz beim Fahren zu großen, teilweise noch unbekannten Problemen führen wird. Sind das Verhalten des Menschen, seine Kompetenzen und Erfahrungen wirklich (so rasch) ersetzbar? Wie werden sich das Verkehrsgeschehen, die Unfallorte, -beteiligten, -schweren etc. entwickeln, wenn die Interaktionen zwischen den neuen Systemen und den bestehenden VerkehrsteilnehmerInnen, wie z.B. Kindern, älteren Personen oder gehandicapten Menschen, noch nicht bekannt sind - und gerade erst im laufenden, weltweit größten „real-live“-Versuch getestet werden?

Mensch im Mittelpunkt

Auch in Zukunft wird das Verkehrsgeschehen nicht ausschließlich aus teilautomatisierten oder autonomen Autos bestehen. Andere – auch nicht „vernetzte“ - VerkehrsteilnehmerInnen werden weiterhin das moderne Straßenbild prägen. Vielleicht sollten wir die Stärken und Schwächen des menschlichen Verhaltens aller VerkehrsteilnehmerInnen gleichwertig zu den Chancen und Risiken der rasanten technologischen Entwicklung diskutieren, damit die optimistischen Prognosen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit durch neue technologische und digitale Entwicklungen auch tatsächlich eintreten.

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Zur AutorIn

Klaus Rosino begann seine berufliche Laufbahn als Projektleiter, bevor ihn sein Karriereweg 1997 zum Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) führte. Seit 2004 ist er als Geschäftsführer der KFV Sicherheit-Service-GmbH tätig. Im Jahr 2015 wurde er mit der Etablierung und Leitung des hausinternen Innovationsbereichs ("smart safety solutions") innerhalb des KFV betraut. "smart safety solutions" konzentriert sich in seiner Arbeit auf die Entwicklung neuer, zukunftsorientierter Lösungen für (Verkehrs-) Sicherheit in einer Gesellschaft, die zunehmend von Trends wie Digitalisierung und Automatisierung beeinflusst wird.





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