Automatisiertes Fahren: Humanisierung der Technik ist notwendig

Sandra Ulrich, 20.02.17 17:35
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Die Automatisierung von Fahrzeugen (sowohl privat, betrieblich als auch öffentlich) wird in den kommenden Jahren rasant voran schreiten.

Die technischen Funktionen im Automobilsektor entwickeln sich immer schneller weiter. Die traditionellen Autobauer setzen durch eine permanente Weiterentwicklung der Assistenzsysteme und Sensorik auf ein evolutionäres Szenario, während Technologiekonzerne mit einer Revolution versuchen, den direkten Sprung zu autonom fahrenden Fahrzeugen zu schaffen. Es wird notwendig sein, diese Weiterentwicklung der Mobilität in Hinblick auf die Verkehrssicherheit von Anfang an zu begleiten. Die Sorgen und Ängste der Menschen müssen berücksichtigt und die Verkehrssicherheit mittels transparenter, standardisierter Kennzahlen und Verfahren mess- und überprüfbar gemacht werden. Auch wenn das Thema Automatisiertes Fahren immer stärker verbreitet wird, gibt es noch starken Informationsbedarf. Um Sorgen und Vorbehalte zu zerstreuen und in Hinblick auf die Verkehrssicherheit ein erfolgreiches Fortschreiten der Technologisierung zu gewährleisten, muss der Mensch als Nutzer und Teil des Systems mitgenommen und durch Information, Verständnis, Akzeptanz und Vertrauen geschaffen werden. In einer langen Phase des Mischverkehrs (d.h.: traditionelle, teil-automatisierte und autonome Fahrzeuge benützen dieselbe Infrastruktur) wird eine neue Form der Mobilitätskompetenz von allen Verkehrsteilnehmern gefordert sein.

Sicherheitsassistenzsysteme haben in den vergangenen Jahren bereits wesentliche Beiträge zur Verkehrssicherheit geleistet.

Seit Einführung des Anti-Blockier-Systems (ABS) im Jahre 1978 sind unzählige zusätzliche Sicherheitsassistenzsysteme auf den Markt gekommen. Auch wenn die Marktdurchdringung immer noch relativ gering ist (je nach Automatisierungsgrad 1-31% in Österreich) wäre die Anzahl der Unfälle in Österreich ohne Sicherheitsassistenzsysteme weitaus höher, als sie derzeit ist. Eine Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit ergab jedoch auch, dass einige Funktionen von ihren Nutzern nicht gekannt bzw. bewusst nicht genutzt werden (so nutzt z.B. ein Viertel jener, die ein vorausschauendes Notbremssystem besitzen, dieses nicht). Handlungsbedarf gibt es nicht nur bei klarer Information und Training, sondern auch der Verbesserung der Bedienung und Usability.

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Zur AutorIn

Sandra Ulrich ist Innovationsmanagerin im Bereich Smart Safety Solutions des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Sie leitet Projekte zu Mobilitätsentwicklung, Auswirkungen von automatisiertem Fahren auf das Verkehrsgeschehen und zur Interaktion unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer. Davor war sie mehrere Jahre Gruppenleiterin für Straßenbetrieb und –erhaltung bei Strabag, wo sie an der Optimierung internationaler Straßeninfrastrukturprojekte gearbeitet hat. Als studierte Bauingenieurin lebt sie für komplexe, innovative Projekte und neue Entwicklungen.





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