5 FRAGEN ZUM THEMA “AUTOMATED DRIVING: ROAD SAFETY & THE HUMAN FACTOR” an IGOR DORIC

Karin Fest, 19.02.17 21:48
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Igor Doric

Ein Gespräch mit Igor Doric Deputy Scientific and Technical Director, CARISSMA, Technische Hochschule Ingolstadt, Sprecher bei der Konferenz Automated Driving: Road Safety & the Human Factor

1 AKZEPTANZ Transparente Informationen und öffentliche Diskussionen werden das Bewusstsein für vernetzte und automatisierte Fahrzeuge schaffen und die Skepsis gegenüber neuen Technologien vermutlich verringern. Was sind Ihrer Meinung nach den Risiken im Umgang mit vernetzten und automatisierten Fahrzeugen im Zusammenhang mit dem öffentlichen Bewusstsein?

Doric: Als 1896 der öffentliche Personenverkehr in Nürnberg von pferdegezogenen Straßenbahnen auf elektrisch angetriebene Straßenbahnen umgestellt wurde, waren die Bedenken in der Bevölkerung groß. Die Menschen waren unsicher,wie sie der neuen Technologie begegnen sollten, auch wenn die elektrischen Antriebe weiter durch menschliche Fahrer bedient wurden. Auch in Städten wie New York wurde acht Jahre zuvor eine Umrüstung auf die neue Technik mit 14 zu 10 Stimmen abgelehnt. Aus heutiger Sicht ist es kaum noch vorstellbar, dass jemand seine Sicherheit eher Zugpferden als einem elektrischen Antrieb anvertrauen würde. Veränderung erfordert Vertrauen - und das Vertrauen in eine neue Technologie lässt sich nur durch den schrittweisen Nachweis von Sicherheit und Zuverlässigkeit erreichen.

2 TESTREGION Solide Tests sind notwendig, um mögliche Risiken aus dem Einsatz von automatisierten Autos für alle Verkehrsteilnehmer zu reduzieren. Was denken Sie, welche Aspekte berücksichtigt werden müssen, um eine sichere Durchführung von Tests mit automatisierten Fahrzeugen für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten?

Doric: Ich bin überzeugt, dass hier die Robustheit der Systeme auch unter Umweltstörgrößen wie Regen und Nebel eine wesentliche Rolle spielt.

3 INTERAKTION MIT UNGESCHÜTZTEN VERKEHRSTEILNEHMERN Welche Aspekte stellen Ihrer Meinung nach eine reibungslose Interaktion zwischen Menschen und vernetzten und automatisierten Fahrzeugen dar und was stellt in dieser Hinsicht die größte Herausforderung der nächsten Jahre dar?

Doric: Was den Fußgänger im Straßenverkehr besonders gefährlich macht, ist seine hohe Dynamik. Eine große Herausforderung in der Interaktion zwischen automatisierten Fahrzeugen und ungeschützten Verkehrsteilnehmern liegt in der unmissverständlichen Kommunikation und sicheren Interpretation des gegenüberliegenden Verhaltens.

4 TRAINING UND AUSBILDUNG Eine spezielle Ausbildung könnte die Fahrer unterstützen, um mit vernetzten und automatisierten Fahrzeugen umzugehen. Denken Sie, dass es spezielle Schulungen geben sollte? Und falls ja, haben Sie eine Vorstellung davon, woraus solche Ausbildungen bestehen könnten?

Doric: Die Ausbildung von Fahrschülern in Brasilien umfasst ergänzend die verpflichtende Teilnahme an Fahrstunden im Fahrsimulator. Fokus ist hierbei nicht das automatisierte Fahren, jedoch lassen sich so auch gefährliche Verkehrssituationen ganz bewusst und definiert einstellen. Adaptiert auf das automatisierte Fahren, bietet dieser Ansatz die Möglichkeit, dass Fahrschüler so die Möglichkeit haben, sich im Umgang mit Technologien des automatisierten Fahrens in kritischen Verkehrssituationen zu üben, ohne sich einer tatsächlichen Gefahr auszusetzen. Die wichtigsten Funktionen und auch der richtige Umgang in relevanten, kritischen Situationen lassen sich dabei in wenigen Fahrsimulatorstunden abbilden. Für erfahrene Fahrer nicht-automatisierter Fahrzeuge ist dies meines Erachtens als ein mögliches optionales Angebot beim Kauf eines automatisierten Fahrzeugs zu sehen.

5 RECHT & ETHIK In Bezug auf vernetzte und automatisierte Fahrzeuge bestehen für die Verkehrssicherheit verschiedene rechtliche sowie ethische Fragen. Worin liegen Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen?

Doric: Die Beantwortung verschiedener rechtlicher und ethischer Aspekte in Bezug auf das vernetzte und automatisierte Fahren ist aus heutiger Sicht nicht vollumfänglich möglich und wird in vielen Fällen in nur sehr kleinen und definierten Schritten voranschreiten.

Die Interviewserie „5 Fragen zum Automatisierten Fahren“ wurde von unserer Autorin Karin Fest-Bamonti aufbereitet.

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Zur AutorIn

Karin Fest ist als Innovationsmanagerin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit im Bereich smart safety solutions für die Umsetzung digitaler Mobilitätslösungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zuständig. Sie studierte Medien- und Kulturwissenschaften und schließt derzeit ein berufsbegleitendes Studium zu Entrepreneurship & Innovationsmanagement ab. Davor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie als Projektmanagerin tätig und forschte und lehrte zu Themen rund um Medientechniken, urbanen Praktiken und Medienvermittlung.





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  • Nina Frühauf

    15.02.17 16:20

    Inspirierendes Interview. Genau hier muss HMI ansetzen und endlich den Menschen ins Zentrum rücken! LG nina

  • Gerhard Sommerer

    15.02.17 16:15

    Sehr interessantes Interview!