5 FRAGEN ZUM THEMA “AUTOMATED DRIVING: ROAD SAFETY & THE HUMAN FACTOR” an WOLFGANG SCHILDORFER

Karin Fest, 24.03.17 10:53
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Wolfgang Schildorfer

Dr. Wolfgang Schildorfer promoviert in Innovationsmarketing. Er war Projektkoordinator des städtischen Mobilitätslabors "WienZWA - Zukuft Wird Anders". Zurzeit koordiniert er das Labor für autonomes Fahren "WienZWA - Zukunft Wird Automatisiert". Außerdem lehrt er Innovationsmarketing an drei österreichischen Universitäten und ist Gutachter für nationale und europäische Forschungsprojekte und Programme.

1 AKZEPTANZ Transparente Informationen und öffentliche Diskussionen werden das Bewusstsein für vernetzte und automatisierte Fahrzeuge schaffen und die Skepsis gegenüber neuen Technologien vermutlich verringern. Was sind Ihrer Meinung nach die Risiken im Umgang mit vernetzten und automatisierten Fahrzeugen im Zusammenhang mit dem öffentlichen Bewusstsein?

Zum einen sind es falsche Erwartungen, die man wecken kann. Durch Ankündigungspolitik oder Marketingaktionen von manchen Stakeholdern könnten Menschen glauben, dass Automatisierte Fahrzeuge schon morgen beim Händler zu kaufen sind und übermorgen diese Fahrzeuge uns bereits von alleine nachhause bringen oder unsere Kinder autonom in die Schule oder den Kindergarten bringen. Zum anderen sind es Ängste, auf die man Rücksicht nehmen muss. Diese Ängste gilt es durch aktive Informationsvermittlung zu verringern. Neue Technologien enthalten oft Risiken. Aber der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Der Öffentlichkeit muss vermittelt werden, dass sorgsam mit allen Entwicklungen rund um automatisierten Verkehr umgegangen wird und vor allem die Auswirkungen auf den Menschen im Mittelpunkt stehen.

2 TESTREGION Solide Tests sind notwendig, um mögliche Risiken aus dem Einsatz von automatisierten Autos für alle Verkehrsteilnehmer zu reduzieren. Was denken Sie, welche Aspekte berücksichtigt werden müssen, um eine sichere Durchführung von Tests mit automatisierten Fahrzeugen für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten?

Gute Vorbereitung aus organisatorischer Sicht! Klare Regeln, wie die Tests abzulaufen haben (Ort, Inhalt, Zeit). Einen neutralen Betreiber der Testregion, der den Sicherheitsaspekt im Auge behält und es allen Interessierten ermöglicht, Ihre Entwicklungen in einem gesicherten Umfeld (auch im echten Mischbetrieb auf Autobahn und in der Stadt) Information über die Tests an die beteiligten Straßenbetreiber (ASFINAG, Landesbetreiber oder Städte). Wenn es inhaltlich sinnvoll ist, Information an die betroffenen Umwelten (Einwohner). Es müssen nicht die genauen Inhalte sein, die mitgeteilt werden. Aber die Information, dass getestet wird, soll verbreitet werden. Vertrauen, dass die Testumgebung funktioniert und Serviceleistungen erbracht werden (z.B. technisches Monitoring durch Dritten bei Bedarf)

3 INTERAKTION MIT UNGESCHÜTZTEN VERKEHRSTEILNEHMERN Welche Aspekte stellen Ihrer Meinung nach eine reibungslose Interaktion zwischen Menschen und vernetzten und automatisierten Fahrzeugen dar und was stellt in dieser Hinsicht die größte Herausforderung der nächsten Jahre dar?

Wie erkennen Menschen automatisierte Fahrzeuge und wie kommunizieren sie miteinander? Wie detektieren Fahrzeuge Menschen und können deren Verhalten interpretieren und darauf reagieren? Welche Infrastruktur ist notwendig, um die Kommunikation zu unterstützen? Wer regelt in Zukunft den Verkehr? Wie viel Autonomie im Verkehr ist möglich/sinnvoll und wie viel Regelung ist notwendig?

4 TRAINING UND AUSBILDUNG Eine spezielle Ausbildung könnte die Fahrer unterstützen, um mit vernetzten und automatisierten Fahrzeugen umzugehen. Denken Sie, dass es spezielle Schulungen geben sollte? Und falls ja, haben Sie eine Vorstellung davon, woraus solche Ausbildungen bestehen könnten?

Verkehrserziehung sollte bereits im Kindergarten beginnen und sich über die Schule, die Fahrschule bis hin zu Weiterbildungskursen für jene, die nicht mit neuer Mobilität und automatisiertem Verkehr aufgewachsen sind, erstrecken. Inhalte sind sicherlich die Formen der Erkennung der unterschiedlichen Fahrzeuge (teil-/vollautomatisiert), Spezifika von Elektrofahrzeugen und die Verhaltensmuster aller Teilnehmer im Mischverkehr.

5 RECHT & ETHIK In Bezug auf vernetzte und automatisierte Fahrzeuge bestehen für die Verkehrssicherheit verschiedene rechtliche sowie ethische Fragen. Worin liegen Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen?

Wie weit darf durch Regulierung der freie Innovations- und Technologiefortschritt begrenzt werden? Wie weit dürfen Maschinen Entscheidungen im Verkehr übernehmen (optimale Route) und wann muss der Mensch zur Regulierung eingreifen (CO2-Reduktion oder Verkehrssicherheit). Es ist nicht die Frage, was sein wird, wenn etwas passiert (Unfälle), die für mich die Wichtige ist. Es ist die Frage, wie wir uns darauf vorbereiten können, dass möglichst wenige Unfälle im „neuen“ Mischverkehr passieren.

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Zur AutorIn

Karin Fest ist als Innovationsmanagerin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit im Bereich smart safety solutions für die Umsetzung digitaler Mobilitätslösungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zuständig. Sie studierte Medien- und Kulturwissenschaften und schließt derzeit ein berufsbegleitendes Studium zu Entrepreneurship & Innovationsmanagement ab. Davor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie als Projektmanagerin tätig und forschte und lehrte zu Themen rund um Medientechniken, urbanen Praktiken und Medienvermittlung.





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