Nachbericht zur Konferenz “Automated Driving: Road Safety and the Human Factor” 8.-9. März 2017

Karin Fest, 15.03.17 16:44
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KFV/APA

Automatisiertes Fahren – den Faktor Mensch miteinbeziehen

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) veranstaltete von 8.-9. März 2017 in Wien die Konferenz „Automated Driving: Road Safety and the Human Factor“, bei der sich nationale und internationale FachexpertenInnen mit dem Menschen und dessen Sicherheit im System einer zunehmend automatisierten und vernetzten Mobilität beschäftigten.

Wie sehr kann ein Mensch einem hochautomatisierten Fahrzeug vertrauen?

In der 2016 und 2017 durchgeführten Studie, die das KFV bei der Konferenz präsentierte, wurden die Wünsche, aber auch Unsicherheiten, Ängste und Vorbehalte der Menschen gegenüber dem Thema automatisiertes Fahren erfragt. Im Zentrum stand dabei unter anderem die Frage: Wie sehr kann ein Mensch einem hochautomatisierten Fahrzeug vertrauen? Bedenken äußerten die Befragten vor allem in Hinblick auf die unklare Interaktion und Kommunikation zwischen selbstfahrenden Fahrzeugen und anderen VerkehrsteilnehmerInnen, der Zuverlässigkeit von Computern und der Verkehrssicherheit. „Gerade in der Phase des Mischverkehrs wird die Verkehrssicherheit vor neue Herausforderungen gestellt werden“, so KFV-Direktor Dr. Othmar Thann.

Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV © KFV/APA

Maschinen werden trainiert, Menschen lernen

Welche Rolle spielt Vertrauen im Diskurs zur Mensch-Maschine Interaktion? Zum Thema des „informierten“ Vertrauens in computergesteuerte Systeme sprach der Daimler Zu-kunftsforscher Alexander Mankowsky u.a. über Empathie. Letzten Endes gehe es bei der Einübung in die Empathie mit Artefakten vor allem um eines: während Menschen lernen, muss ein bestimmtes Verhalten Maschinen erst (an-)trainiert werden.

ÖsterreicherInnen wollen mehr über autonomes Fahren wissen

Eine vom KFV durchgeführte, repräsentative Studie, die von DI Klaus Rosino und DI Sandra Ulrich präsentiert wurde ergab, dass „Herr und Frau Österreicher“ in erster Linie gerne von ExpertInnen über die Chancen und Herausforderungen des autonomen Fahrens informiert werden möchten. Für mehr als die Hälfte der Befragten ist völlig unklar, wie die Interaktion zwischen selbstfahrenden Autos und anderen VerkehrsteilnehmerInnen (z.B. FußgängerInnen) aussehen soll. 66% der Befragten wünschen sich sogar vor der Markteinführung von selbstfahrenden Autos fundierte Informationen über die Interaktion.

DI Klaus Rosino © KFV/APA

DI Sandra Ulrich © KFV/APA

Ob wir für die rapide technologische Entwicklung automatisierter Fahrzeuge bereit sind, wurde in einer Gesprächsrunde mit Alexander Mankowsky, Daimler, Dr. Othmar Thann, KFV, Sabine Kühschelm, BMVIT, Gerhard Menzel, Europäische Kommission und Martin Russ, AustriaTech diskutiert. Fazit der Diskussion: Die Rollen der Institutionen werden sich vermutlich nicht sofort ändern, müssen den Wandel aber mitmachen.

Paneldiskussion mit Alexander Mankowsky, Sabine Kühschelm, Dr. Othmar Thann, Gerhard Menzel, Martin Russ © KFV/APA

Österreich sollte eine Vorreiterrolle in Europa wahrnehmen

Gerhard Menzel, Policy Officer bei der Europäischen Kommission (DG Mobility & Trans-port) verwies auf die Schlüsselrolle Österreichs bei der Einführung des automatisierten Fahrens. Österreich zeichne sich vor allem dadurch aus, dass es einen Kernpartner in verschiedenen europäischen Projekten darstelle. Es gehe auch in Zukunft nicht nur um eine vernetzte, sondern auch um eine kooperative Strategie eines integrativen Verkehrsmanagementsystems. Die im BMVIT angesiedelte Stabstelle „Mobilitätswende & Dekarbonisierung“ gibt wichtige Impulse, um eine sichere Implementierung automatisierter Fahrzeuge auf Österreichs Straßen zu gewährleisten. Michael Nikowitz, BMVIT stellte die ersten Schritte aus dem Aktionsplan für automatisiertes Fahren vor.

Gerhard Menzel, Europäische Kommission © KFV/APA

Was Österreich von Schweden abschauen kann

Dr. Anna Nilsson-Ehle vom Forschungs-Spinoff SAFER zeigte anhand von Drive Sweden, wie Mobilitätskonzepte der Zukunft in Zusammenhang mit Verkehrssicherheit nachhaltig implementiert werden können. Neben einer nutzerzentrierten Ausrichtung sei der Fokus auf Verkehrssicherheit für die Einführung und den Aufbau von Vertrauen in die neue Technologie unumgänglich. Nilsson-Ehle veranschaulichte die Vision einer smarten, durch Automatisierung wieder grünen Stadt anhand eines Animationsvideos, das in die Zukunft blicken ließ.

Dr. Anna Nilsson-Ehle, SAFER – Drive Sweden © KFV/APA

Sicherheit aller Menschen im Verkehr – Testlabor in Wien

Das Konsortium von WienZWA (Andata, HiTec, smart safety solutions KFV und Swarco Futurit) sondiert in einem groß angelegten FFG-Forschungsprojekt, wie im Raum Wien und Umland ein umfassendes, offenes, europäisches Testlabor zu automatisiertem Fahren aufgebaut werden kann - unter dem Motto: „Sicherheit aller Menschen im Verkehr“. Ziel von WienZWA ist das rasche Lernen zur dynamischen Anpassung zwischen FußgängerInnen, 2-Rad-FahrerInnen und (semi)-autonomen Fahrzeugen.

Dr. Walter Aigner, HiTec Marketing © KFV/APA

Kommunikation als Schlüssel für die Sicherheit

Experten wie Prof. Dr. Natasha Merat, University of Leeds und Prof. Dr Marieke Martens, University of Twente gaben vertiefende Einblicke in die Ergebnisse aus ihren Forschungsarbeiten, die sich mit der Interaktion und Kommunikationsmustern zwischen automatisierten Fahrzeugen und dem Menschen beschäftigen. Ein wesentliches Ergebnis, das aus der Konferenz hervorging, ist die Notwendigkeit umfangreicher Informationsmaßnahmen, bei denen die Gesellschaft partizipieren kann. Auch in diesem Sinne muss Verkehrssicherheit neu gedacht werden.

Prof. Dr. Natasha Merat © KFV/APA

Prof. Dr. Marieke Martens © KFV/APA

Vernetzung und Interaktion im Wiener Riesenrad

Im Rahmen der Konferenz wurden thematische Breakout Sessions im Wiener Riesenrad abgehalten. In fünf Waggons des Riesenrads wurde in Kleingruppen intensiv an den folgenden, vom KFV vorbereiteten, Fragestellungen gearbeitet: Wie kann die gesellschaftliche Akzeptanz neuer automatisierter Systeme erhöht werden, welche Anforderungen müssen aus Sicht der Verkehrssicherheit an Teststrecken gestellt werden, wie gestaltet sich die Interaktion mit ungeschützten VerkehrsteilnehmerInnen, welche Trainings und Ausbildungen sind in der Phase des Mischverkehrs notwendig und welche rechtlichen & ethischen Aspekten müssen bei der Einführung automatisierter Fahrzeuge notwendigerweise berücksichtigt werden?

Mag. Daniela Patz © KFV/APA

Mag. Karin Fest © KFV/APA

Die Ergebnisse der Breakout Sessions wurden als Höhepunkt am Ende der Konferenz präsentiert: Pro Thema wurden die Top- 3-Maßnahmen von Mag. Daniela Patz und Mag. Karin Fest, beide KFV - smart safety solutions, vorgestellt und mit dem Publikum diskutiert.

Alle Fotorechte liegen bei © KFV/APA.

Weiterführende Links

Link zu den Fotos der Konferenz: https://goo.gl/photos/t6MxZu2PxBpdxbQh9

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Zur AutorIn

Karin Fest ist als Innovationsmanagerin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit im Bereich smart safety solutions für die Umsetzung digitaler Mobilitätslösungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zuständig. Sie studierte Medien- und Kulturwissenschaften und schließt derzeit ein berufsbegleitendes Studium zu Entrepreneurship & Innovationsmanagement ab. Davor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie als Projektmanagerin tätig und forschte und lehrte zu Themen rund um Medientechniken, urbanen Praktiken und Medienvermittlung.





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