5 FRAGEN ZUM THEMA “AUTOMATED DRIVING: ROAD SAFETY & THE HUMAN FACTOR” an MICHAEL NIKOWITZ

Karin Fest, 01.03.17 12:09
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Michael Nikowitz

Ein Gespräch mit Michael Nikowitz, Mobilitätswende & Dekarbonisierung, Generalsekretariat, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Sprecher bei der Konferenz Automated Driving: Road Safety & the Human Factor

1 AKZEPTANZ Transparente Informationen und öffentliche Diskussionen werden das Bewusstsein für vernetzte und automatisierte Fahrzeuge schaffen und die Skepsis gegenüber neuen Technologien vermutlich verringern. Was sind Ihrer Meinung nach den Risiken im Umgang mit vernetzten und automatisierten Fahrzeugen im Zusammenhang mit dem öffentlichen Bewusstsein?

Nikowitz: Automatisiertes Fahren verspricht eine große Bandbreite an Vorteilen, hinsichtlich Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit. Die rasch fortschreitende Entwicklung dieser Fahrzeuge führt jedoch zu einer fehlenden Akzeptanz und Bewusstseinsbildung innerhalb der Öffentlichkeit. Dies ist dadurch begründet, dass das Auto, mit seiner überschaubaren, evolutionsartigen Entwicklung, über Nacht hochkomplex wurde und schier „selbst entscheiden“ kann. Die Bedürfnisse des Nutzers werden zweitrangig und rücken in den Hintergrund. Ein Zustand der Machtlosigkeit und Überforderung, welcher zur Ablehnung dieser Technologie führen könnte.

2 TESTREGION Solide Tests sind notwendig, um mögliche Risiken aus dem Einsatz von automatisierten Autos für alle Verkehrsteilnehmer zu reduzieren. Was denken Sie, welche Aspekte berücksichtigt werden müssen, um eine sichere Durchführung von Tests mit automatisierten Fahrzeugen für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten?

Nikowitz: Automatisiertes Fahren verspricht die Erhöhung der Verkehrssicherheit. Der Gewährleistung selbiger sollte beim Testen deshalb oberste Priorität zugeordnet werden. Dies erfordert, dass das manuelle Abschalten, das manuelle Eingreifen in das System, eine automatische Übergabe an den Fahrer/die Fahrerin in kritischen Fällen und eine Notfallvorrichtung zum Abschalten des gesamten Systems einwandfrei funktioniert und bereits im Vorfeld ausreichend erprobt wurde. Eine technische Vorrichtung zum Schutz gegen unerlaubte Eingriffe in die Fahrzeugsteuerung durch Dritte sowie Datendiebstahl ist ebenfalls erforderlich.

3 INTERAKTION MIT UNGESCHÜTZTEN VERKEHRSTEILNEHMERN Welche Aspekte stellen Ihrer Meinung nach eine reibungslose Interaktion zwischen Menschen und vernetzten und automatisierten Fahrzeugen dar und was stellt in dieser Hinsicht die größte Herausforderung der nächsten Jahre dar?

Nikowitz: Die Interaktion zwischen automatisierten und nichtautomatisierten Teilnehmern (Mischverkehr) wird bei der Einführung von automatisierten Fahrzeugen die größte Hürde mit sich bringen. Hierbei gilt es einerseits eine Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung hinsichtlich des aktuellen Stands der Technik aufzubauen, andererseits darf der angesprochene Mischverkehr erst dann an Quantität zunehmen, wenn die Qualität der Fahrzeugsensorik weiter fortgeschritten ist und automatisierte Fahrzeuge jegliche Situationen mit ungeschützten Teilnehmern unfallfrei meistern können.

4 TRAINING UND AUSBILDUNG Eine spezielle Ausbildung könnte die Fahrer unterstützen, um mit vernetzten und automatisierten Fahrzeugen umzugehen. Denken Sie, dass es spezielle Schulungen geben sollte? Und falls ja, haben Sie eine Vorstellung davon, woraus solche Ausbildungen bestehen könnten?

Nikowitz: Spezielle Schulungen - im Rahmen der Fahrschulausbildung, oder als Zusatzmodule - sind einzuführen. Ziel sollte es hierbei sein, den Umgang mit teilautomatisierten, bis hin zu vollautomatisierten Fahrzeugen näher zu bringen, um eine Bewusstseinsbildung für die kooperative Übergabe an das Fahrzeug bzw. eine Übernahme vom Fahrzeug zu ermöglichen. Dies würde den Umgang mit einem möglichen Ausfall assistierender Systeme näher bringen. In der schulischen Grundausbildung sollte bereits eine gezielte Bewusstseinsbildung in Richtung der Mobilitätswende (Multimodalität und Sharing) stattfinden.

5 RECHT & ETHIK In Bezug auf vernetzte und automatisierte Fahrzeuge bestehen für die Verkehrssicherheit verschiedene rechtliche sowie ethische Fragen. Worin liegen Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen?

Nikowitz: Die größten Herausforderungen liegen derzeit in den Bereichen Haftung und Ethik. Die allseits beliebte „Dilemma - Frage“ ist zum aktuellen Zeitpunkt jedoch viel zu weit gegriffen. Aus ethischer Sicht sollte zunächst thematisiert werden, wie die notwendigen gesetzlichen Änderungen in der Gesellschaft überhaupt debattiert werden sollen, bzw. welche ethischen und moralischen Prinzipien für hochautomatisiertes Fahren gelten sollen? Des Weiteren ist die Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen längst überfällig, da der rechtliche Rechtsrahmen immer von einem Fahrzeug ausgeht, das aktiv von einem Fahrer gesteuert wird.

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Zur AutorIn

Karin Fest ist als Innovationsmanagerin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit im Bereich smart safety solutions für die Umsetzung digitaler Mobilitätslösungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zuständig. Sie studierte Medien- und Kulturwissenschaften und schließt derzeit ein berufsbegleitendes Studium zu Entrepreneurship & Innovationsmanagement ab. Davor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie als Projektmanagerin tätig und forschte und lehrte zu Themen rund um Medientechniken, urbanen Praktiken und Medienvermittlung.





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