Verkehrssicherheit reloaded? Zur Rolle der Verkehrssicherheit in einem zunehmend automatisierten und vernetzten System

Karin Fest, 24.02.17 14:24
#
KFV, Michael Car

Die Automatisierung von Fahrzeugen schreitet in schnellen Schritten voran und transformiert somit das gesamte Verkehrsgeschehen. Von einer smarten Infrastruktur zu selbstfahrenden (voll-)automatisierten Fahrzeugen soll ein sicheres System entstehen, das verspricht, menschliches Versagen als Hauptunfallquelle aus den Statistiken zu verbannen.

Der Weg dorthin ist gepflastert von Chancen und Risiken, mit denen sich die Arbeit zur Verkehrssicherheit auseinandersetzen muss. Vor allem die Phase des Mischverkehrs, in der neben herkömmlichen nicht-automatisierten Fahrzeugen, Fahrzeuge mit unterschiedlichen Levels an Automatisierungsgraden auf der Straße unterwegs sind, ist mit vielen Fragezeichen versehen: Wie wird die Interaktion zwischen den Fahrzeugen aussehen? Wie werden die „smarten“ Fahrzeuge mit der Infrastruktur kommunizieren? Und, die für die Verkehrssicherheit wohl wesentlichste Frage, wie wird sich die Interaktion zwischen automatisierten Fahrzeugen, Infrastruktur und anderen VerkehrsteilnehmerInnen wie Fußgänger oder RadfahrerInnen gestalten?

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit diskutiert u.a. diese Fragen im Rahmen der Konferenz „Automated Driving: Road Safety & The Human Factor“, die von 8.-9. März 2017 in Wien stattfindet. Gemeinsam mit nationalen und internationalen ExpertInnen wird der Mensch ins Zentrum der Diskussion rund um automatisiertes Fahren gerückt.

Verkehrssicherheit reloaded – dazu gehört, die Akzeptanz automatisierter Systeme in der Gesellschaft zu erforschen und über Wissensdefizite zu informieren. Der Zukunftsforscher Alexander Mankowksy von Daimler spricht in seiner Keynote über das Konzept des „Informed Trust“, in dem Sicherheit einen wesentlichen Stellenwert einnimmt.

Ebenso sind Teststrecken auf verkehrssicherheitsrelevante Aspekte zu prüfen und so zu gestalten, dass der Mensch sich im (automatisierten) System sicher bewegen kann. Das Sondierungsprojekt WienZWA beschäftigt sich damit, wie die dynamische Anpassung des realen Gesamtverkehrs (FußgängerInnen, 2-Rad-FahrerInnen, Stadt/Land, Autobahn/Stadtverkehr, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Mischverkehr, Interaktion aller Menschen im Verkehr) aussehen kann und präsentiert erste Überlegungen auf der Konferenz.

Vor allem die Interaktion mit ungeschützten VerkehrsteilnehmerInnen wie Fußgänger oder RadfahrerInnen muss von unterschiedlichen Blickwinkeln und Perspektiven erforscht werden, um ein holistisches Verständnis zu erhalten. Prof. Natasha Merat (University of Leeds) zeigt in ihrer Lecture dazu die Ergebnisse des EU-Projekts CityMobil2.

Eine ganze Session beschäftigt sich im Rahmen der Konferenz mit Fragen zu Auswirkungen der Einführung zunehmend automatisierter Fahrerassistenzsysteme auf die Ausbildung (sicherer Umgang mit neuen, unbekannten Systemen). Weiters wird diskutiert, was aus anderen Branchen (z.B. aus der Flugbranche von der Pilotenausbildung) für FahrerInnen in automatisierten Fahrzeugen gelernt werden kann.

Letztlich ist der rechtliche Rahmen zu klären: Wer wird bei Unfällen von und mit automatisierten Fahrzeugen die Haftung übernehmen? Welche Daten dürfen bzw. müssen weitergegeben werden um höchste Sicherheit zu gewähren? Welche neuen Rollen müssen hierfür definiert werden? Diese Fragen und mehr werden im Rahmen der Konferenz diskutiert und Ergebnisse daraus einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Konferenz „Automated Driving: Road Safety & The Human Factor“ 8.-9. März 2017, Wien https://automated-driving.at

#
Zur AutorIn

Karin Fest ist als Innovationsmanagerin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit im Bereich smart safety solutions für die Umsetzung digitaler Mobilitätslösungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zuständig. Sie studierte Medien- und Kulturwissenschaften und schließt derzeit ein berufsbegleitendes Studium zu Entrepreneurship & Innovationsmanagement ab. Davor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie als Projektmanagerin tätig und forschte und lehrte zu Themen rund um Medientechniken, urbanen Praktiken und Medienvermittlung.





1000 Zeichen übrig


Noch keine Kommentare vorhanden