Der Mensch und das selbstfahrende Fahrzeug – Überlegungen zu möglichen Zukunftsszenarien

Daniela Patz, 22.02.17 17:21
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jesussanz - Fotolia.com

Mindy, das selbstfahrende Auto, und der Mensch: Überlegungen zu möglichen Auswirkungen von automatisiertem Fahren auf die Gesellschaft und warum es höchste Zeit für eine transparente, öffentliche Diskussion über die Mobilität der Zukunft ist.

Ein schöner Frühlingstag. Die Sonne scheint. Endlich Mal wieder raus aufs Land die Natur genießen. Per App bestelle ich Mindy (1) – ein selbstfahrendes Auto (2) –, das mich von zu Hause abholen und ins Grüne bringen wird. Seit selbstfahrende Fahrzeuge in der Stadt unterwegs sind, parken vor meiner Wohnung kaum mehr Autos. Stattdessen spielen Kinder unter Birkenbäumen. Mindy biegt gekonnt ums Eck. Ich steige ein. Und nun? Lenkrad gibt es keines. Ich habe die Wahl zwischen lesen, Film schauen, das Panorama genießen oder vielleicht doch ein kurzes Nickerchen? Tun muss ich eigentlich nichts mehr – Mindy kann das alles schon ganz alleine.

Ok – zugegeben! Derzeit ist diese Geschichte mehr Vision denn Realität. Doch so weit weg sind wir technologisch gesehen nicht mehr von derartigen Zukunftsszenarien. Allerhöchste Zeit also, den Menschen in die Überlegungen zur Mobilität der Zukunft aktiv miteinzubinden.

Automatisiertes Fahren verspricht mehr Verkehrssicherheit, Entlastung der Umwelt, eine neuartige Nutzung von Parkflächen und Straßen, mehr Mobilität von für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, Veränderung von Besitzdenken (Stichwort shared-economy) usw. usf. Soweit so gut. Einerseits also sehr viel gesellschaftliches Potential.

Andererseits: Was ist mit Datenschutz? Überwachung? Werden wir selbstfahrenden Autos vertrauen? Wie werden wir reagieren, wenn plötzlich ein selbstfahrendes Auto um die Ecke biegt? Wie mit diesem kommunizieren? Und wie geht es uns, wenn wir nicht mehr selbst lenken und aufs Gaspedal drücken, nicht mehr schnittig durch die Landschaft düsen? Und was ist mit all den Arbeitsplätzen, die durch die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung verloren gehen? Fragen, die wir aktiv diskutieren und nicht scheuen sollten.

Wir müssen uns damit beschäftigen wie sich diese neue Technologie auf unsere Gesellschaft auswirken wird (3). Kurz: Was kann der (gesellschaftliche) Nutzen automatisierten Fahrens sein?

Vielleicht werden selbstfahrende Fahrzeuge gar nicht als Ersatz heutiger Fahrzeuge gesehen, sondern als Ausdruck einer neuen Form von Mobilität in einer veränderten Gesellschaft? (4) Die Welt ist und war ständig in Veränderung. Durch die Verlockung von selbstfahrenden Fahrzeugen könnte sich in kurzer Zeit viel verändern. Wir dürfen uns nicht vor Fragen zu Verkehrssicherheit, Datenschutz und dazu, ob wir das alles so überhaupt wollen drücken.

Daher braucht es neben ExpertInnen und möglichst interdisziplinären Teams (5) auch eine breite Öffentlichkeit, um die nötigen Fragen zu stellen und dadurch neue Sichtweisen zu eröffnen.

Mindy wird es wohl in dieser Form so bald nicht geben. Auch nicht mehr Birkenbäume in meiner Straße. Womit wir jedoch schon jetzt und vermehrt in den nächsten Jahren konfrontiert werden sein, sind Assistenzsysteme (6): so könnte uns schon bald ein Parkassistent das Einparken abnehmen oder wir könnten auf der Autobahn die Kontrolle an unser Fahrzeug abgeben und erst wieder bei der Ausfahrt aktiv das Fahren übernehmen. Technische Möglichkeiten, die sich auf unser Mobilitätsverhalten und die Verkehrssicherheit auswirken werden. Allerhöchste Zeit also, um eine transparente Diskussion zu eröffnen!

(1) Name von Autorin frei erfunden.

(2) Selbstfahrende Autos beherrschen alle Aufgaben selbstständig. Es ist fahrerlos und hat kein Lenkrad und keine Pedale.

(3) Dabei würde ich selbstfahrende Fahrzeuge in eine größere gesellschaftliche Debatte zur fortschreitenden Digitalisierung und wie wir damit umgehen wollen einbetten.

(4) Obwohl wir beim Auto immer noch von Pferdestärke (PS) sprechen, würde wohl kaum jemand heutige PKWs mit von Pferden gezogenen Fahrzeugen vergleichen.

(5) Seit März 2015 arbeitet die Anthropologin Melissa Chefkin bei Nissan zu selbstfahrenden Autos. Sie erforscht u.a. die Beziehung von selbstfahrenden Autos zu Menschen und spricht sich für die Entwicklung einer universellen Sprache für selbstfahrende Autos aus. (https://www.2025ad.com/in-the-news/blog/nissan-melissa-cefkin-driverless-cars/)

(6) Assistenzsysteme sind elektronische Zusatzeinrichtungen in Fahrzeugen zur Unterstützung der FahrerInnen in bestimmten Fahrsituationen. z.B.: Rückfahrassistent, Abstandsregeltempomat, Notbremsassistent

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Zur AutorIn

Daniela Patz arbeitet als Innovationsmanagerin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit im Bereich smart safety solutions und beschäftigt sich mit Projekten zur Mobilität der Zukunft. Davor war sie als Projektassistentin und Lektorin an der sozialwissenschaftlichen Fakultät in Wien tätig sowie als Junior Producer für die Umsetzung zahlreicher Projekte im Kultur- und Medienbereich verantwortlich. Sie studierte Kultur- und Sozialanthropologie an den Universitäten Wien und Kopenhagen.





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