Auf dem Weg zu Zero Accidents? Automatisiertes Fahren und mögliche Auswirkung auf die Verkehrssicherheit

Andreas Aschenbrenner, Florian Letnansky, 21.02.17 16:29
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Automatisiertes Fahren verspricht eine Senkung der Unfälle. Prognosen gehen davon aus, dass 70 bis 95% aller Unfälle vermieden werden könnten. (https://www.bmvit.gv.at/innovation/publikationen/verkehrstechnologie/automatisiert.html). Diese Zahl kommt vermutlich daher, dass 2015 zwischen 84 und 95% der Unfälle ein menschlicher Fehler vorausgeht (http://www.statistik.at/web_de/statistiken/energie_umwelt_innovation_mobilitaet/verkehr/strasse/unfaelle_mit_personenschaden/index.html). Realistisch ist, dass nicht alle diese Unfälle verhindert werden können und es lässt sich auch nicht ausschließen, dass keine anderen Unfallursachen hinzukommen (z.B. technische Fehler, Kommunikationsfehler zwischen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern). Dennoch besteht kein Zweifel, dass ein erheblicher Teil der Unfälle durch Automatisierung verhindert oder zumindest vermindert werden können.

Auf dem Weg zu einem vollständig autonomen Verkehr gibt es allerdings noch viele Zwischenschritte. In den nächsten Jahren werden wir neben konventionellen Fahrzeugen auch immer mehr automatisierte Fahrzeuge im Straßenverkehr erleben. Dies birgt Chancen und Gefahren für das Thema Verkehrssicherheit.

Auf der Seite der Chancen stehen die zunehmende Verfügbarkeit von Assistenzsystemen wie automatische Notbremsen, Totwinkelassistenten, Spurhalteassistenten und andere, die dazu beitragen können, Unfälle zu vermindern. Für LKW und Busse hat die Europäische Kommission automatische Notbremssysteme und Spurhaltewarnsysteme bereits gesetzlich verpflichtend vorgeschrieben (http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=URISERV%3Ami0053). Der Grund: durch diese Assistenzsysteme lassen sich nachweislich Unfälle vermeiden. Bleibt nur die Frage: Warum eigentlich nur für Bus und LKW und nicht für alle Fahrzeuge im Straßenverkehr?

Werfen wir einen Blick auf den Faktor Unfall und Spurhalte-Assistenten: im Jahr 2015 gab es 37.960 Unfälle (Quelle: KFV Crashbox). Davon waren ca. 6,7% (2.569) durch das Abkommen von Freilandstraßen bedingt und hätten vermutlich durch Spurhalte-Assistenten verhindert oder vermindert werden können. Das sind insgesamt über 90 Menschenleben, die gerettet und über 700 schwere Verletzungen, die vermieden werden hätten können. Auch Unfallkosten würden sich massiv senken lassen. Laut einer vom BMVIT festgelegten Berechnung würde das in etwa 3.5 Milliarden Euro an Unfallfolgekosten vermeiden (https://www.bmvit.gv.at/verkehr/strasse/sicherheit/strassenverkehrsunfaelle/volkswirtschaft.html). Es darf also nur eine Frage der (möglichst kurzen) Zeit sein, bis Spurhalte-Assistenten auf für PKW verpflichtend sind.

Laut Eichberger et al. (http://adas.a3ps.at/) können durch die Kombination von Assistenzsystemen wie ABS, ESC, Spurhalteassistent und automatisierter Notbremsassistent etwa 42% der Unfälle vermieden und weitere 20% vermindert werden. Eine Zahl, die schon für die nächsten Jahre und noch vor der Zeit von voll-autonomen Fahrzeugen (Zwischenstufen SAE 2-5) viel Grund zur Hoffnung in Bezug auf die Verkehrssicherheit gibt.

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Zur AutorIn

Andreas Aschenbrenner arbeitet als Innovationsmanager im Bereich smart safety solutions des Kuratorium für Verkehrssicherheit. Mit seinem technischen Hintergrund hat er bereits in der Leitung verschiedener Infrastrukturinitiativen in europäischen Hauptstädten gearbeitet und sich nun ganz dem Thema Verkehrssicherheit verschrieben. Florian Letnansky absolviert derzeit seinen Zivildienst im Bereich smart safety solutions des Kuratorium für Verkehrssicherheit. Ab Herbst wird er in Wien studieren.





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